Zum Abschluß des NetDay stellt sich nun natürlich die Frage, ob das Schienennetz von Straßenbahn und Eisenbahn tatsächlich geeignet war, uns auch an das Internet heranzuführen. Einige grundsätzliche Überlegungen zu Ähnlichkeiten zwischen Schienen-Netz und Inter-Net(z) sind ja schon auf www.koelnbahn.de/training.htm veröffentlicht. Auf dieser Seite möchten wir dies nicht wiederholen, sondern vor allem die Zitate zum Nachlesen bereitstellen, die im Museum Thielenbruch und auf der Rückfahrt vorgelesen wurden:
Der Übergang von der Kutschentechnik zur Eisenbahntechnik wird zeitgenössisch wahrgenommen als entscheidend verminderter Arbeits- oder Kraftaufwand. Als animalische Erschöpfung war dieser unmittelbar sinnlich erfahrbar, und über die sinnliche Anschauung der physischen Erschöpfung wurde die räumliche Entfernung erfahren. Idem die sinnliche Anschauung der Erschöpfung verlorengeht, geht die der räumlichen Entfernung verloren. Die Beschreibung, die de Quincey von diesem Vorgang gibt, findet sich in zahlreichen Abwandlungen in einer anonymen Schrift aus dem Jahre 1839: "Wenn wir in der Postkutsche mit einer Geschwindigkeit von acht oder zehn Meilen pro Stunde reisen, so begreifen wir sehr vohl die Natur der Kraft, die das Fahrzeug in Bewegung setzt. Wir erkennen, was die Natur der Tierkraft ausmacht, wir sehen, wie schnell sie sich erschöpft; eine Stunde um die andere beobachten wir, wie die Tiere in ihren Geschirren keuchen und dampfen, und im Verlauf einer Tagesreise werden wir gewahr, welch ungeheure Anstrengungen es erfordert, ein beladenes Fahrzeug von London in eine entfernte Stadt zu transportieren. Reisen wir dagegen mit der Eisenbahn, so können wir nur selten sehen, welche wunderbare Kraft uns so schnell befördert. Es ist eine ganz andere Situation; der Wagen wird nicht von Tieren gezogen, für deren ebenso unzulängliche wie anstrengende Arbeit wir Mitleid aufbringen könnten; wir hören den Dampf durch das Sicherheitsventil ausströmen, während die Lokomotive eine kurze Zeit lang stillsteht; dann vernehmen wir eine schnelle Folge von Stößen: wir spüren, daß wir uns in Bewegung gesetzt haben; die Bewegung nimmt schnell zu, und die in der Postkutsche so langwierige Reise ist beendet, bevor wir uns ihrer noch bewußt geworden sind. Der Passagier ist erstaunt über die Schnelligkeit seiner Reise und wünscht sich oft, die Mittel mit denen sie vollbracht wurde, zu betrachten und zu verstehen."
Eine Serie von Karikaturen in "Punch" thematisiert das gegenseitige Mißtrauen von Reisenden der 1. Klasse, welches in einem amtlichen Bericht so beschrieben wird: "Eine wahrhaft panische Angst hat sich der Eisenbahnreisenden bemächtigt. Die Damen, die natürlich nicht im Moment entscheiden können, welchen männlichen Mitreisenden sie als Beschützer wählen und welchen sie meiden sollen, gehen folglich jedem Kontakt aus dem Wege; und die Herren, einschließlich der Bahnbeamten, weigern sich ihrerseits, allein in einem Abteil mit einer Dame zu reisen. Sie halten es für ein Gebot der Klugheit, auf diese Weise das Risiko zu vermeiden, aus erpresserischen Gründen der Belästigung oder gar der Vergewaltigung beschuldigt zu werden." Solche Phantasien finden sich auch in rein technischen Abhandlungen, wie z. B. "Le matériel roulant des chemins de fer au point de vue du confort et de la sécurité des voyageurs" von Ernest Dapples: "Wenn man nicht alleine fährt, so hat man einen oder mehrere Mitreisende. Hat man nur einen einzigen, was sich oft nicht vermeiden läßt ..., so können sich von hier aus vielerlei Unannehmlichkeiten ergeben, bis hin zu Überfällen und sogar Mord, wie es die allgemein bekannten Tatsachen leider bestätigt haben" Noch 1870 heißt es im "Handbuch für Spezielle Eisenbahn-Technik": "Der Passagier ist so glücklich, ein unbesetztes Coupé zu erhalten, aber ist so unglücklich, noch einen Mitreisenden zu bekommen, der ihn bestiehlt, wenn er schläft oder gar ermordet und stückweise zum Wagen herausbefördert, ohne daß die Beamten des Zuges etwas davon merken"
Auf der einen Seite schließt die Bahn neue Räume auf, die bisher nicht verfügbar waren, auf der anderen Seite geschieht dies, idem Raum vernichtet wird, nämlich der Raum dazwischen. Dieser Zwischenraum oder Reiseraum, der im langsamen und arbeitsintensiven Transport sozusagen voll ausgekostet wurde, verschwindet im Eisenbahntransport. Die Eisenbahn kennt nur noch Start und Ziel. In einem französischen Text von 1840 heißt es: "Die Bahnen kennen nur Abfahrt, Aufenthalt und Ankunft als Orte, und die liegen gewöhnlich weit voneinander entfernt. Mit den Räumen dazwischen, die sie voller Geringschätzung durchqueren und denen sie nur einen nutzlosen Anblick bieten, verbindet sie nichts" Die Epoche der Suburbs, des konturlosen Wucherns der ehemals geschlossenen Städte ins Land hinein, beginnt mit der Eisenbahn. Lardner 1851: "Es ist heutzutage nicht ungewöhnlich, daß Geschäftsleute, die im Zentrum der Hauptstadt arbeiten, mit ihren Familien 15 bis 20 Meilen außerhalb der City wohnen. Trotzdem können sie ihre Geschäfte, Kontore und Büros frühmorgens erreichen und ebenso ohne jede Unbequemlichkeit zur gewönlichen Feierabendzeit nach Hause zurückkehren. Daher haben sich rings um die Hauptstadt, überall wo es Eisenbahnen gibt, die Wohnungen vervielfacht, und ein beträchtlicher Teil der ehemaligen Londoner Bevölkerung lebt jetzt in diesem Gebiet." Texte zur Einführung der "neuen Technologie" Bahn: Der "unvergeßliche Abend in Thielenbruch", der auf der Rückfahrt in der Linie 15 vorgelesen wurde, kann auf folgender Internet-Seite nachgelesen werden: www.koelnbahn.de/damals02.htm. |